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Ein Stück St. Martin verschwindet

Uns haben folgende Zeilen erreicht:

Ein Stück altes St. Martin verschwindet
Am 1. März 2010 haben Schlägerungs- und Abbrucharbeiten auf dem Gelände des ehemaligen Gasthofs Müller in Klagenfurt-St.-Martin begonnen. Dabei wurden der reiche und alte Baumbestand auf dem ca. 3.700 qm großen Areal im Herzen des Dorfes ebenso zerstört wie zwei alte Gebäude. Auf diesem Gelände sollen binnen der nächsten zwei Jahre im Auftrag der Firma Riedergarten Immobilien 18 als exklusiv vermarktete Eigentumswohnungen in einer dreigeschossigen Wohnanlage entstehen, unter dem Titel „Wohnoase Kreuzbergl-St. Martin“.
Dieses Projekt fügt sich in eine Reihe ähnlicher umstrittener Bauvorhaben in Klagenfurt ein, wie etwa Waisenhauskaserne, Strucklwiese oder Birkengrund. In all diesen Fällen werden hochpreisige Eigentumswohnungen in großer Zahl in die Welt gesetzt, für die sich bei den bislang abgeschlossenen Projekten bereits eine mangelnde Nachfrage erweist. Die – ebenfalls von der Firma Riedergarten errichtete – Wohnanlage im Birkengrund in Viktring ist das vielleicht bekannteste Beispiel für ein Überangebot an diesem Typ von Immobilien.
Allein im Bereich des ehemaligen Dorfs St. Martin sind neben dem Riedergarten-Projekt noch zwei weitere Bauvorhaben in Planung (unterhalb der Kirche St. Martin und an der Stelle der Felsnest-Villa). Gerade in solch einer Konzentration und durch ihre relative Größe tragen diese Projekte dazu bei, das bisher noch sehr dörfliche und beschauliche Ortsbild des Stadtteils nachhaltig zu verändern – mit zweifelhaftem wirtschaftlichem Nutzen und wenig Respekt für Einwohner und Umwelt.
Auch das Vorgehen der Betreiber des Projektes auf dem Gelände des ehemaligen Gasthofs Müller ist bezeichnend: Die Arbeiten fanden, wiewohl nach erteilter Abbruchgenehmigung, ohne vorherige Ankündigung statt. Vor allem jedoch liegt auf seiten des Magistrats bis dato keine Baugenehmigung und noch nicht einmal ein Bauantrag vor, so daß die Zweckdienlichkeit der gegenwärtigen Arbeiten noch gar nicht erwiesen ist. Es ist davon auszugehen, daß mit den jetzigen Abbrucharbeiten, ähnlich wie im Falle der Waisenhauskaserne, Fakten geschaffen werden sollen, um im Bauverfahren argumentieren zu können, daß es doch besser sei zu bauen – und zwar nach den Wünschen des Bauherren – als eine unansehnliche Brache mitten im Ort bestehen zu lassen. Dieses Vorgehen ist jedenfalls kein gutes Zeichen für die Haltung der Betreiber dieses Projektes gegenüber dem Umfeld, in dem sie dieses plazieren.

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